Wir waren vier Freunde, die sich von der Penne kannten: Peter, Frank, Cäsar und ich. Schon während der Schulzeit in der Oberstufe des örtlichen Jungengymnasiums in Hattingen hatten wir einen gemeinsamen, grenzwertigen Humor entwickelt, der Anleihen bei Monty Python nahm. Legendär waren die von uns organisierten „Themen-Feten“, über die ich hier aber aus Datenschutzgründen nicht näher berichten werde. Drogen waren bei uns tabu, abgesehen von gelegentlichem Alkoholmissbrauch. Rauchen war zu dieser Zeit ohnehin „normal”. Mittlerweile hatten wir ein Studium, eine Ausbildung oder eine Zeitverpflichtung bei der Bundeswehr angetreten und standen vor dem Start unserer beruflichen Karrieren.
Wer von uns die Idee zu einer gemeinsamen Reise hatte und wie wir auf das Urlaubsziel Lloret de Mar an der Costa Brava in Spanien kamen, ist mir nicht mehr erinnerlich. Der Ort hatte damals den Ruf, eine Party-Location zu sein, wie El Arenal auf Mallorca.
Unsere Suche nach einem geeigneten Transportmittel war durch einen Zufall von Erfolg gekrönt. Der Vater von Frank arbeitete damals in leitender Stellung bei einem Bauunternehmen. Er bot uns an, einen noch fahrtüchtigen Bulli zu übernehmen. Es handelte sich um ein Baustellenfahrzeug, mit dem Bauarbeiter zu den weiter entfernten Baustellen gefahren wurden. Der Wagen hatte sein MHD jedoch bereits überschritten und sollte verschrottet werden.
Dieses Angebot konnten wir als arme Studenten und Azubis natürlich nicht ausschlagen, denn wir hatten nicht das Geld, um uns ein besseres Fahrzeug zu leisten.
Der Bulli war ein VW-Bus Typ 2 T1, also der klassische „Splittie“ mit geteilter Frontscheibe. Dieser bescheidene Transporter wurde von 1950 bis 1967 gebaut. Unser Bulli war mindestens 20 Jahre alt und stand, wie bereits erwähnt, kurz vor der Verschrottung. Die TÜV-Zulassung endete unmittelbar nach unserer Rückkehr. Der Motor hatte mächtige 34 PS aus 1,2 Litern Hubraum. Damit schaffte der Bus geradeaus und bergabwärts eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 100 km/h. Auf langen Steigungen musste häufig in den dritten oder sogar zweiten Gang zurückgeschaltet werden. Während unserer Tour kam es sogar vor, dass wir einen Berg im Rückwärtsgang hochfahren mussten. Unter diesen Umständen wurde die Fahrt selbst fast wichtiger als unser Ziel.
Das Fahrzeug mussten wir erst einmal komplett anstreichen um vorhandene Roststellen und den großzügigen Einsatz von Spachtelmasse zu überdecken.
Dann verzierten wir die Frontseite bildlich mit unserem Motto „Wein, Weib und Gesang“ und den Tankdeckel mit einem Schweinchen und dem Untertitel „Wir haben die Sau im Tank“. Damals machte die Tankstellenkette Esso gerade Werbung mit dem Spruch „Wir haben den Tiger im Tank“.
Wir beluden den Wagen mit unserem persönlichen Gepäck, Schlafsäcken (zum Teil aus Beständen der Bundeswehr), Gas-Campingkocher, Töpfen, Besteck und Geschirr sowie einem kleinen Lebensmittelvorrat in Form von Dosenfutter vom Discounter zum Aufwärmen. Dann ging es los: von Sprockhövel aus auf die A1, in Köln auf die A3 Richtung Frankfurt und schließlich auf die A67/A5 Richtung Basel.
Während der langen Fahrt wechselten wir uns mit dem Fahren ab. Obwohl Cäsar und ich weder Stuntmen noch Artisten waren, wagten wir ein nicht ungefährliches Manöver: einen Fahrerwechsel während der Fahrt! Dazu rutschte Cäsar, der gerade den Wagen
steuerte, auf der vorderen, durchgehenden Sitzbank etwas nach rechts, ohne den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Ich kletterte links neben ihm von hinten über die Rücklehne und übernahm das Steuer sowie Kupplung, Bremse und Gaspedal von ihm. Diese Aktion war unverantwortlich, aber wir haben es unfallfrei geschafft. No risk, no fun. Die Schaltung befand sich übrigens nicht am Boden zwischen den nicht vorhandenen Einzelsitzen, sondern als langer Schalthebel weit vorne am Fahrzeugboden.
Nach vielen Stunden Fahrzeit kamen wir schließlich in Basel in der Schweiz an, unserem ersten Zwischenziel. Hier wollten wir unsere Reisekasse durch Straßenmusik ein wenig aufbessern. Wir waren natürlich keine Bay City Rollers, hatten aber ein paar Instrumente (Gitarre, Tamburin, Mundharmonika, Plastikeimer-Trommel …) und ein Repertoire von wenigen Songs dabei. Ich erinnere mich an „This Land Is Your Land“, „Mr. Tambourin Man“, „Yellow Submarine“ und „Hamburger Veermaster“ - eine bunte Mischung. Während unseres fast einstündigen, laienhaften Konzerts auf dem Marktplatz vor dem Basler Rathaus wurden uns etwa 40 Schweizer Franken in unsere Sammelbox geworfen. Damit konnten wir uns ein fürstliches Fastfood-Menü bei MacPommes leisten.
Gut gesättigt fuhren wir zu einem Campingplatz am Murtensee, wo wir übernachteten. Da im Bulli nicht mehr als zwei Personen schlafen konnten, mussten die beiden anderen im Wechsel in ihren Schlafsäcken draußen in der Natur nächtigen. Mit der Zeit wurde das Übernachten unter freiem Himmel immer beliebter, da die Schlafgelegenheit im Bulli beengt und extrem hart war und man morgens wie gerädert aufwachte.
Nach dem bescheidenen Frühstück ging es weiter nach Montreux. Dort wollten wir unseren Erfolg als Straßenmusiker von Basel auf der Seepromenade wiederholen. Doch daraus wurde nichts. Offensichtlich war das Publikum in Montreux vom alljährlichen Jazzfestival sehr verwöhnt.
Wir brachen unser Konzert ab und fuhren weiter in die Gegend von Martigny. Dort stellte sich Cäsar erst einmal unter die herabstürzenden Fluten des Wasserfalls La Pissevache. Damals ließ er keine Pfütze aus, in der er baden oder schwimmen konnte. Er bereitete sich als erfolgreicher Leistungssportler auf die Olympischen Spiele 1980 in Moskau vor, die dann leider vom NOK der BRD boykottiert wurden.
Der nächste Tag begann mit einem Missverständnis. Wir hielten den San Bernardino Pass für die italienische Bezeichnung des Großen Sankt Bernhard Passes. Das sind aber zwei verschiedene Passagen über die Alpen Richtung Italien. Schließlich fuhren wir durch den St. Bernhard Tunnel, was unserem leistungsschwachen Bulli sehr entgegen kam, uns aber Maut kostete.
Wir übernachteten hinter dem Tunnel im italienischen Aostatal. Irgendwie lernten wir dort einen Typ kennen, der uns zu sich nach Hause einlud und uns dort mit reichlich selbst gebrautem Fusel bewirtete. Am nächsten Morgen fanden wir uns in einem Weinberg wieder. Sein selbst destillierter Enzian hatte uns wohl an den Rand eines Delirium tremens gebracht. Das Abenteuer unserer Reise hatte jetzt verschärft begonnen.
Sobald wir wieder einen klaren Kopf zurückgewonnen hatten ging es Richtung italienischer Küste, auf die wir schließlich in Höhe von Finale Ligure stießen. Da war es also, das Mittelmeer, unser Reiseziel. Aber wir wollten ja zur spanischen Costa Brava nach Lloret de Mar und bis dahin gab es noch eine ganze Menge Kilometer Fahrtstrecke zu bezwingen.
Wenige Jahre später verbrachte ich mit meiner damaligen Jugendliebe Angelika einen Urlaub in Finale Ligure. Der Urlaub entsprach jedoch weder ihren noch meinen Erwartungen. Aus unserer Liaison wurde aus anderen Gründen nichts. Schade, denn ich habe sie sehr geliebt.
Zurück zu unserer Mittelmeertour: Von Finale Ligure ging es auf der Küstenstraße westwärts über die französische Grenze nach Menton. Bei einem Verpflegungsstopp gesellten sich zwei süße italienische Mädels zu uns: Maria und Gianna. Wir unterhielten uns beidseitig in gebrochenem Englisch und die zwei Mädels fragten uns, ob sie mit uns nach Monte Carlo mitfahren dürften. Gegen weibliche Begleitung hatten wir ja nie etwas einzuwenden, und so waren wir plötzlich zu sechst im Bulli unterwegs. Das war zwar ziemlich eng, aber nicht ohne Reiz.
Dann erreichten wir den Lieblingsort der Reichen und Schönen: Monte Carlo, den berühmten Stadtteil von Monaco, dem Fürstentum der Grimaldis. Nur blöd, dass man uns unmissverständlich zu verstehen gab, dass wir nicht dazugehörten. In ausgelassener Selbstüberschätzung parkten wir unseren Bulli vor dem berühmten Spielcasino, enterten die Zugangstreppe und wollten den Glückspieltempel besuchen. Zwei Türsteher stürzten auf uns zu und wiesen uns mit bedrohlichen Gesten zurück. Okay, unser Outfit entsprach nicht gerade der damaligen Haute Couture, aber einen Versuch war es wert. Als hätten wir die unfreundliche Abweisung erwartet, hatten wir als Prophylaxe zur Tröstung eine Flasche Sekt mitgebracht. Diese wurde von Cäsar geköpft und noch auf der Casino-Treppe in Plastikbechern unter uns verteilt. A votre santé!
Kurz hinter Monte Carlo verabschiedeten sich Maria und Gianna von uns. Wir wünschten uns gegenseitig eine gute Weiterreise.
Unsere Tour ging nun nach Nizza. Wir cruisten mit unserem Bulli entlang der Seepromenade, wurden aber nicht – wie sonst bei VIPs üblich – mit einem roten Teppich begrüßt und mit Blütenblättern beworfen. Wenn die Leute uns dort nicht wollten, war das nicht unser Problem.
Also weiter nach Marseille, der Stadt, die der Marseillaise, der französischen Nationalhymne („Allons enfant de la patrie…“), ihren Namen gab, und vielleicht auch der Mayonnaise, ich weiß es nicht. Der Hafen der Stadt ist der zweitgrößte im Mittelmeer und teilt sich auf in den historischen Alten Hafen, den modernen Industriehafen und ein großes Kreuzfahrtterminal. Wir parkten den Bulli mit dem Heck abwärts gerichtet am Rand einer abschüssigen Straße, die zum Alten Hafen, dem Yachthafen von Marseille, führte. Gerade als wir uns auf den Weg ins Hafenviertel machen wollten, rief einer von uns: „Der Bulli bewegt sich! Haltet den Wagen!” Wir hatten das Fahrzeug nur mit angezogener Handbremse geparkt. Auf der abschüssigen Straße war diese zu schwach und der Bulli rollte im Zeitlupentempo rückwärts Richtung
Hafenbecken. Mit vereinten Kräften konnten wir den Wagen vor dem Absturz retten. Einer sprang in den langsam abwärts rollenden Bulli und bremste ihn zusätzlich mit der Fahrzeugbremse. Das war wirklich noch einmal haarscharf gut gegangen. Wir sicherten den Wagen ab sofort zusätzlich mit großen Steinen vor den Rädern.
Den Erfolg unserer Bulli-Rettung wollten wir in einem Restaurant am Hafen feiern. Was würde sich in Marseille mehr anbieten als eine Bouillabaisse, die berühmte französische Fischsuppe? Unser Reisebudget erlaubte uns jedoch keinen Besuch in einem hochpreisigen Speiselokal, sodass wir uns
für ein günstiges Fischlokal entschieden. Die dort servierte Bouillabaisse war aber selbst den geringen Preis nicht wert. Sie bestand aus einer faden, lauwarmen Fischbrühe mit zwei, drei Stückchen Fisch, einer kleinen Herzmuschel, einer Mini-Garnele und ein paar Stückchen Gemüse. Die eigentlich übliche Rouille hatte sich die Restaurantküche gespart. Aber wer weiß, vielleicht sollte diese Zubereitungsart in künftigen Michelin-Führern noch zu Ehren kommen. Das haben wir nicht verfolgt. Wir waren bedient.
Wie zumeist wurde auf freier Fläche übernachtet. Weiter ging es vorbei an Saintes-Maries-de-la-Mer, dem kleinen Strand-Wallfahrtsort der spanischstämmigen Roma (keine gesehen), nach Aigues-Mortes, einer der größten noch erhaltenen mittelalterlichen Festungsanlagen mit einer sehr beeindruckenden Stadtmauer. Wir legten eine kurze Stadtbesichtigung ein. Von dort aus waren es über Perpignan und Girona nur noch etwa 300 Kilometer bis nach Lloret de Mar, dem Ziel unserer Reise.
Die damalige Freundin und
spätere Ehefrau von Frank arbeitete in einem Reisebüro. Sie hatte für uns ein Appartement in Lloret gebucht, das wir gerade noch bezahlen konnten. Es war in einem Hochhaus gelegen. Von dort hatten wir einen wenig spektakulären Ausblick auf das nächste Hochhaus. Für einen „Meerblick“ mussten wir zum Strand laufen.
In unmittelbarer Nähe lag hingegen der nächste Supermercado. Dorthin gingen wir nun erst einmal, um uns mit Proviant einzudecken. An der Kasse stellten wir fest, dass wir unseren Einkaufswagen vornehmlich mit Bier und Schnaps und nur mit wenigen Grundnahrungsmitteln beladen hatten. Getreu dem Motto: „Warum feste Nahrung, wenn die Kalorienzufuhr auch flüssig möglich ist?” Aber das war natürlich keine wertvolle Astronauten- oder Survival-Nahrung, sondern Alkohol. Und das sollte sich durch vorprogrammierte Hangovers rächen.
Lloret de Mar schien auch eine Lieblingsdestination der Tommis zu sein, denn sie hängten ihre Union Jack- Flaggen am Hochhaus gegenüber über die Balkonbrüstungen. Das konnten wir nur erwidern, indem wir Cäsars Deutschland-T-Shirt raushängten.
Eines Tages schleppte Cäsar eine attraktive, kleine Schweizerin an. Die Affäre endete jedoch abrupt, als deren große Brüder vor der Tür standen.
Am Strand imponierte Aquaman
Cäsar der Damenwelt mit gewagten Sprüngen vom „Acapulco-Felsen“. An einem anderen Tag trafen wir dort Ulrike, die Schwester unseres Freundes Uwe, der nicht mitgereist war, und ein anderes Mädchen aus unserem Heimatort. Zufälle dieser Art habe ich auf meinen Reisen in der Folge wiederholt erlebt. Die Welt ist wirklich klein.
In den Discos bestellten wir immer nur eine einfache Cola, die wir dann mit dem reingeschmuggelten Bacardi zu Cuba Libre veredelten.
Wir hatten das Appartement für eine Woche gemietet. Die Zeit verging schnell ohne besondere Ereignisse, Essen, Trinken, Strand und Disco. Dann brachen wir auch schon zur Rückfahrt nach Hause auf. Die sollte noch spannend werden – insbesondere für mich.
Unsere Tourplanung für die Rückfahrt sah eine Überquerung der Pyrenäen vor, also die Route über Andorra. Wenn unser Bulli das gewusst hätte, hätte er sich geweigert, uns zu fahren. Wir mussten damals auch einen kleinen Pass überqueren. Das hat unser 34-PS-Gefährt auf besonders steilen Steigungen aber nur im Rückwärtsgang und mit der kleinsten Getriebeübersetzung geschafft.
Wir übernachteten hoch oben in den Bergen, im Bulli oder draußen, je nach persönlichen Vorlieben.
Danach ging es über die französische Grenze weiter nach Carcassonne. Heute Abend sollte es etwas Ordentliches zu essen geben. Bei unserem kurzen Rundgang durch die wunderschöne Festungsstadt kamen wir an einem Fischstand vorbei. Dort sprangen mir sofort die frischen Miesmuscheln ins Auge. Als laienhafter Hobbykoch schlug ich meinen Freunden vor, die Muscheln vor den Mauern von
Carcassonne für uns zuzubereiten. Der Vorschlag wurde angenommen und ich kaufte die benötigten Zutaten inklusive Baguette und zwei Flaschen Rotwein von unserem letzten Geld ein.
Natürlich war das Ergebnis kein Menü aus einem Sternerestaurant, aber es hat uns gut geschmeckt. Ich habe keine Klagen gehört. Das beweist, dass man mit einem Camping-Gaskocher nicht nur Ravioli aufwärmen, sondern auch genießbare Gerichte zubereiten kann.
Am nächsten Tag – alle hatten das Muschelmahl überlebt – fuhren wir weiter Richtung Heimat. Unser Weg führte uns über Avignon, die Stadt der Gegenpäpste im 14. Jh. (Großes Abendländische Schisma) und des heutigen Theater-, Tanz- und Gesangsfestival, und wir sangen ausgelassen „Sur le pont d’Avignon”, das Volkslied aus dem 16. Jh. und den Kinder-Kanon „Frère Jacques“.
Und dann passierte es. Ich hatte meinen Arm als Beifahrer aus dem rechten Seitenfenster gelehnt, als ich einen Insektenstich (vermutlich den einer Bremse) spürte, der wohl bis auf die Knochenhaut ging. In kurzer Zeit schwoll mein rechter Unterarm zu einem „Tennisarm“ an. Das löste bei uns allen Besorgnis aus und musste ärztlich begutachtet und behandelt werden.
Also machten wir Halt bei der Notaufnahme des Krankenhauses von Lyon. Die meisten Ärzte sprachen nur Französisch, ganz im Gegensatz zu mir. Glücklicherweise gab es auch einen oder zwei Ärzte, die Englisch sprachen. Sie teilten mir mit, dass sie mich stationär aufnehmen wollten, was ich kategorisch ablehnte. Nach einer Spritze mit Antibiotikum und mit einem dicken Armverband entließen sie mich auf eigene Verantwortung, sodass wir unsere Rückfahrt gemeinsam fortsetzen konnten. Ich musste den französischen Ärzten zusichern, mich nach Ankunft zu Hause direkt in ärztliche Behandlung zu begeben. Das habe ich aber nicht getan, denn die Schwellung war inzwischen zurückgegangen.
Am nächsten Morgen brachen wir zur wohl längsten Fahrtstrecke
unserer Tour auf - Rollin` home! Vor unserem letzten Grenzübertritt nach Deutschland mussten wir vor dem Zoll die Karre erst mal gründlich auslüften. Die stank nämlich total nach Fusel, weil ich meinen Tennisarm mit dem verschriebenen 70%igen Alkohol kühlen musste.
Spät abends bzw. in der Nacht erreichten wir Sprockhövel. Wir wollten Franks Eltern, bei denen wir gestartet waren, aber nicht aufwecken. Deshalb beschlossen wir, in den Wäldern um Sprockhövel zu übernachten – nach bewährter Art. Zudem wollten wir unsere Tour in Vronis Pferdestall beenden, einer Kneipe in der Hattinger Altstadt, die während unserer Schulzeit unsere Stammkneipe gewesen war. Dort stießen wir mit einem Glas „Krefelder“ auf unsere Reise an, einem Mix aus Altbier und Cola, der damals sehr beliebt war.
So endete unsere Lloret de Mar- Tour. Etwas Vergleichbares haben wir nie wieder unternommen.
Mehr als 3.000 km im altersschwachen Bulli durch 6 Länder (inkl. Andorra und Monaco) - VW, der läuft und läuft und läuft! Wir hatten ständig wechselnd 5 verschiedene Währungen in unserer Geldbörse, denn den Euro gab es erst viel später. Unser zuständiger Navigator saß auf dem Beifahrersitz und lotste den jeweiligen Fahrer auf der Route mit den klassischen blauen Aral-Straßenkarten. Internet, Routenplaner und GPS-geführtes Navi warteten noch auf ihre Erfindung.
Was aus uns vier Freunden wurde? Wir heirateten und führten ein Leben wie Otto Normalverbraucher, das sich auf die berufliche Karriere und die eigene junge Familie fokussierte. Aber eins ist uns bis heute erhalten geblieben, die Reiselust und die Neugier auf fremde Länder und Menschen.
Peter, mein bester Freund, konnte sich noch an die erste Strophe des Lloret de Mar- Songs, unserer Eigenkomposition, erinnern. Hier ist sie:
Sie ging spazieren, ganz allein
wollt` sie nur am Strande sein.
Der Strand war leer, kein Mensch war da,
nur sie und Erich von der Bar.
Wollt`sie nur den Fischen lauschen
hört`sie nun des Meeres Rauschen.
Erich nämlich war ein Mann,
einer der so alles kann.
Hat so nett mit ihr gespielt,
was sie für wahre Liebe hielt.
Und dann fährt sie nächstes Jahr
wieder nach Lloret de Mar.
Baby, Baby komm sei mein,
ich und mein Himmel sind dann Dein.
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Die Fotos in diesem Reisebericht sind vergilbte alte Fotos von der Reise, die mit div. Fotorestaurierungs-Software aufgehübscht wurden. "Besser als gar keine"
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